Schweinfurt/Gerolzhofen - Auf sehr große Hilfsbereitschaft stieß ein Spendenaufruf der Feuerwehren im Landkreis Schweinfurt, für die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien Medikamente, Verbandsmaterial und Decken zu spenden. Allein in Gerolzhofen gaben rund 50 Personen Hilfsgüter ab, die noch in der Nacht zum 3. Januar per Lkw zum Münchner Flughafen transportiert wurden.
Die Vorlaufzeit für die kurzfristige Hilfsaktion war knapp, umso erfreulicher ist, dass dennoch eine so große Zahl von Spenden zusammenkamen, die nun direkt ins Katastrophengebiet geflogen wurden. "Die Anforderung zu unserem Hilfeaufruf ging ursprünglich von einem Arzt im Katastrophengebiet aus und richtete sich zunächst an die Flughafenfeuerwehr München", berichtet Kreisbrandrat Georg Vollmuth (Frankenwinheim) zum Hintergrund der Maßnahmen. Diese organisierte spontan bei einer Fluggesellschaft die kostenlose Bereitstellung eines Jumbo-Jets. Von der Flughafenfeuerwehr aus erreichte der Hilferuf schließlich auch die Wehren im Landkreis Schweinfurt.
"Am Silvester-Nachmittag ließen wir zunächst die Kreisbrandmeister über Funkmeldeempfänger alarmieren, damit diese auf Ebene der Ortswehren die Sammelaktion koordinieren konnten. Die Nachrichtenkanäle liefen dann häufig über die Pfarrer weiter, die den Sammelaufruf mit Bekanntgabe der Abgabestellen bei den Feuerwehren an Neujahr in der Kirche verkündeten", erklärt Vollmuth. Bei der Stützpunktwehr Gerolzhofen wurde eine zentrale Sammelstelle eingerichtet, bei der auch Wehren aus dem gesamten Kreisgebiet Waren abgeben konnten. "Alles in allem kam Material im Wert von 20 000 Euro zusammen", schätzt der Kreisbrandrat.
Franz Hepp, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Gerolzhofen, der die hiesige Aktion maßgeblich leitete, war mit seinen über zehn Helfern den kompletten 2. Januar über beschäftigt, Medikamente, Verbandsmaterial und Decken entgegen zu nehmen. "Wir mussten die Waren im Gerätehaus umverpacken und für den Flug beschriften und vorbereiten." Ein großer Teil der Medikamente und medizinischen Materials stellte die Geomed-Klinik zur Verfügung, auch der BRK-Kreisverband lieferte beispielsweise Infusionen. "Die Spenden von privater Seite beliefen sich hauptsächlich auf Verbandsmaterial sowie Decken. Unverständlich ist, dass einige Spender Vorhänge oder alte Unterwäsche abgaben, obwohl dies eindeutig nicht gefordert war. Dies bedeutete für uns zusätzliche Arbeit durch mühseliges Aussortieren", schüttelt Hepp den Kopf, betont allerdings, dass dies Ausnahmen waren. "Die Hilfsbereitschaft war auf jeden Fall beeindruckend."
Noch am Sonntagabend startete ein Lkw der Gerolzhöfer Wehr zusammen mit zwei Fahrzeugen der städtischen Feuerwehr Schweinfurt und der Berufsfeuerwehr Würzburg zum Flughafen München. Kreisbrandinspektor Gottfried Schemm (Gerolzhofen), der den Transport begleitete, berichtet, dass die Hilfsgüter am Flughafen direkt zum Transport ins Katastrophengebiet bereit gestellt wurden. Das erste Flugzeug mit 100 Tonnen Ladung sei bereits abgeflogen, ein weiteres soll in den nächsten Tagen folgen.

 

Bericht: Michael Mößlein, Journalistischer Berater KFV Schweinfurt

Die Flughafenfeuerwehr München hat eine Boeing 747 gechartert und möchte möglichst viele Medikamente und medizinische Hilfsgüter in das Krisengebiet transportieren. Der Ansprechpartner vor Ort (ein Arzt) hat mitgeteilt, dass folgende Hilfsmittel benötigt werden:

  • Antibiotika
  • Infusionen (Elektrolytlösungen) inkl. Infusionsbestecken etc.
  • Verbandsmaterial allgemein, Mullbinden, Pflaster etc.
  • Schmerzmittel
  • Decken
  • Medizinische Geräte aller Art (auch gebraucht)

Bei der Feuerwehr in Schweinfurt wurde eine Sammelstelle eingerichtet. Das Material muss allerdings bis Sonntag, den 02.01.2005, 16:00 Uhr dort abgegeben werden.

Bitte helfen Sie mit!
Die Menschen im Krisengebiet sind auf jegliche Hilfe angewiesen.

Lkr. Schweinfurt — Schonungen, Eßleben, Theilheim, Grafenrheinfeld, Gochsheim — was sich anhört wie die Stationen eines irregeleiteten Linienbusses treibt Kreisbrandrat Georg Vollmuth Sorgenfalten auf die Stirn. In allen fünf Orten hat es binnen Wochenfrist in Wohngebäuden gebrannt. Auslöser der Schadensfeuer waren in mindestens vier Fällen Räucherstäbchen oder Adventskerzen. Es herrscht Dauerstress für die Feuerwehren. Und Weihnachten steht erst noch bevor.
Gerade eben ist Kreisbrandrat Georg Vollmuth (Frankenwinheim) vom letzten Brandeinsatz in einer anstrengenden Woche zurückgekommen. In Gochsheim hatte ein Adventskranz ein Kinderzimmer in Brand gesteckt und komplett verwüstet. "Das war jetzt der fünfte Brand innerhalb einer Woche, zu dem die Feuerwehren in unserem Landkreis ausrücken mussten. Und wieder war Adventsschmuck der Auslöser", berichtet Vollmuth besorgt über diese Häufung der Ereignisse. Der bei den Bränden entstandene summiert sich nach ersten Schätzungen auf etwa 250.000 Euro. Nur dem raschen Eingreifen der Wehren ist es zu verdanken, dass noch Schlimmeres verhindert wurde.
"Die vermeintlich stille Zeit vor und um Weihnachten herum ist für die Feuerwehr jedes Jahr alles andere als ruhig", erklärt Kreisbrandrat Vollmuth. Mehr als 10.000 schwere Brände registrieren die deutschen Feuerwehren jährlich in der Advents- und Weihnachtszeit. Verursacht werden die Brände fast ausnahmslos durch unsachgemäßen Umgang mit Kerzen auf Gestecken, Adventskränzen oder Christbäumen. "Oft werden beispielsweise Kerzen zu nahe an brennbaren Materialien befestigt oder unbeaufsichtigt brennen gelassen", berichtet Vollmuth, der im Landkreis Schweinfurt 115 Wehren befehligt, aus der Praxis. "Selbst bei einem Abstand von 15 Zentimetern können Kerzen noch 150 Grad Hitze abstrahlen. Das genügt bei längerer Brenndauer, um Zweige und Baumschmuck zu entflammen."
Besonders gefährlich werde die Situation dann, wenn die Nadelhölzer schon mehrere Tage in heißen, trockenen Räumen stehen. "Die ätherischen Öle in den Nadeln sind dann hoch entzündlich." Und wenn ein Christbaum erstmal Feuer gefangen hat, dann sei es schon beinahe zu spät, um noch rechtzeitig reagieren zu können. Innerhalb von fünf Sekunden brennt die benachbarte Gardine, nach einer halben Minute ist die ganze Wohnung verraucht und nach einer Minute kann der brennende Raum ohne Schutzausrüstung nicht mehr betreten werden.

Um solche Szenen in den eigenen vier Wänden möglichst zu vermeiden, appelliert der Kreisbrandrat zu folgendem Verhalten:

  • Kerzen, Gestecke und Kränze sollten nur auf einem festen, nicht brennbaren Untergrund, beispielsweise großen Tellern, stehen.
  • Gestecke und Christbäume sollten möglichst frisch, das Wasserreservoir des Christbaumständers stets gefüllt sein. Beim Platzieren der Kerzen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass zu den nächsthöheren Ästen genügend Abstand gelassen wird. Brennbarer Baumschmuck sollte auf jeden Fall vermieden werden.
  • Brennende Kerzen dürfen niemals unbeobachtet bleiben. Vor dem Schlafengehen müssen alle Lichter gelöscht werden, wobei darauf zu achten ist, dass die Kerzen nicht ausgepustet, sondern erstickt werden; glühende Dochtteilchen können noch Stunden später einen Brand auslösen!
  • In der Nähe des Weihnachtsbaums sollte man immer einen Eimer Wasser oder, besser, einen Feuerlöscher griffbereit halten, um eventuell auflodernde Flammen sofort bekämpfen zu können.
  • Falls es im Brandfall nicht mehr möglich ist, das Feuer selbst zu löschen, muss unverzüglich die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 alarmiert werden. Danach sollten alle Türen der Wohnung verschlossen und das Gebäude auf direktem Wege verlassen werden. Wichtig ist, dass etwaige Mitbewohner und Nachbarn im Haus ebenfalls verständigt werden.
  • Falls ein ungefährdetes Verlassen der Wohnung nicht mehr möglich sein sollte, dann auf keinen Fall versuchen, beispielsweise durch einen verqualmten Hausflur oder Treppenhaus zu entkommen, dies kann leicht zur tödlichen Falle werden. In diesem Fall sollte man sich in ein Zimmer begeben, das möglichst zur Straßenseite hin gelegen ist, die Türschlitze evtl. mit feuchten Tüchern abdichten, am Fenster nach Hilfe rufen und dort warten, bis die Feuerwehr kommt.
  • Für einen schnellen und gezielten Einsatz der eintreffenden Feuerwehr ist es oft auch ausschlaggebend, dass die Einsatzkräfte von den betroffenen Bewohnern in die Lage am Brandort eingewiesen werden, vor allem auch wegen eventuell sich noch im Haus befindlicher Personen. Wenn der Einsatzleiter erst eine umfängliche Lageerkundung durchführen muss, gehen wertvolle Minuten verloren.
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Bericht: Michael Mößlein, Journalistischer Berater KFV Schweinfurt

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