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Dienstag, 08 April 2014 11:16

Mit zartem Blütenduft das Digitalfunknetz getestet ...

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Mit einem Massentest führten die Landes- und Bundespolizei, das THW, die Hilfsorganisationen und die Feuerwehren Unterfrankens am Samstag, 5. April 2014 das wohl umfangreichste Testszenario im Rahmen der Abnahme des neuen Digitalfunknetzes im Netzabschnitt 38 – Unterfranken durch. Fünf der 37 erforderlichen Abnahmetests führten rund 150 Einsatzkräfte auf dem Hof der Feuerwache Aschaffenburg und auf der Bundesautobahn 3 durch.

 

Nachdem das Digitalfunknetz am 24. Februar recht unspektakulär termingerecht startete und im ersten Monat der Testphase vor allem Messungen auf dem Plan standen, ging es am Samstag richtig zur Sache. In einem Konvoi ging es mit 55 Fahrzeugen bestückt mit 100 Digitalfunkgeräten von der Feuerwache über die Anschlussstelle Aschaffenburg-West auf der A3 bis nach Marktheidenfeld um Probleme bei Zellwechseln zwischen den einzelnen Basisstationen zu erkennen. Hierzu bekamen die Testteilnehmer 40 Mal eine Geschichte vom „Zarten Blütenduft erfüllt den Saal“ vorgelesen und mussten mögliche „verschluckte Silben“ während der rund 30 Zellwechsel dokumentieren.

Auch eine künstliche Überlastung des Funknetzes und das daraus resultierende Verhalten der Basisstation, wenn beispielsweise 50 Geräte gleichzeitig in einer Funkzelle eingeschalten werden und sich einbuchen wurde simuliert. In den Tag starteten die Testteilnehmer mit einem Test "Einschaltdauer" bei der die Zeit erfasst wurde bis die Geräte ins Netz eingebucht waren.

 

„Heute wird zum ersten Mal in Unterfranken der Einsatz des Digitalfunks organisationsübergreifend unter simulierten Einsatzbedingungen geprobt“, sagte Regierungsvizepräsident Dr. Andreas Metschke. Damit gehe die Digitalfunkeinführung in eine entscheidende Phase, auf die schon alle sehr lange hingearbeitet haben. Regierungsvizepräsident Dr. Metschke dankte allen Akteuren, den beiden Projektgruppen aus dem Bereich der polizeilichen und nichtpolizeilichen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie dem Bezirksfeuerwehrverband Unterfranken für die unterfrankenweite Beschaffungsaktion und wies darauf hin, dass zur Bewältigung der „Herkulesaufgabe“ sich der Großteil der Projektgruppenmitglieder ehrenamtlich nebenbei, außerhalb der üblichen Arbeitszeit eingebracht haben. Eine Projektgruppe im Bereich der nichtpolizeilichen Behörden und Organisationen, die allein drei Leitstellenbereiche Unterfrankens abdeckt ist bayernweit einzigartig. 53 Personen sind in der Projektgruppe Digitalfunk Unterfranken mit der Einführung des Digitalfunks betraut.

 

Sofern die betrieblichen Bedingungen erfüllt sind, steigen voraussichtlich im Mai alle Endanwender in die dritte Phase des Testbetriebs ein um nach und nach die Netzlast zu erhöhen und erste taktische Praxiserfahrungen zu sammeln. Hierbei gibt es die Möglichkeit unterversorgte Gebiete in der Netzabdeckung zu erkennen und nachzubessern, um im nachfolgenden Realbetrieb möglichst störungsfrei arbeiten zu können. Einsatzschwerpunkte und Gebiete, die nach einer Computersimulation unterversorgt sind, können in der Erprobungsphase erkannt und getestet werden. Auch für die Schulung der Einsatzkräfte ist der Probebetrieb eine wichtige Säule bei der Einführung des Digitalfunks. Netzfunktionalitäten und Geräteeinstellungen im Netzbetrieb können von allen Endanwendern des Digitalfunks geschult und getestet werden.

 

124 Basisstationen werden künftig für eine flächendeckende Funkausleuchtung in Unterfranken sorgen. Künftig gibt es nur noch ein Funknetz für alle Behörden und Hilfsorganisationen. Die bislang 3500 bayernweit betriebenen und unterhaltenen analogen Relaisstellen der Feuerwehren, Rettungsdienste und Polizei werden nach einer Übergangszeit abgebaut.

 

Den Einsatzkräften wird mit einem Fahrzeugfunkgerät eine Erreichbarkeit in 96 Prozent der Fläche in einem Landkreis garantiert. Durch die hohe Versorgungsgüte des Digitalfunks ist es in Siedlungsgebieten (Grundfläche 200 auf 200 Meter) sogar möglich, mit einem Handsprechfunkgerät in Gürteltrageweise im Netzbetrieb beispielsweise mit der Integrierten Leitstelle oder anderen Einsatzkräften zu kommunizieren. Mit dem Analogfunk funktionierte dies nicht.

 

 

„Die Tests verliefen erfolgreich“, erklärten die beiden Projektleiter der polizeilichen und nichtpolizeilichen Projektgruppe Polizeidirektor Josef Mehringer und Branddirektor Harald Rehmann. Die Auswertung der Tests wird durch die Clearingstelle der Projektgruppe „DigiNet“, angesiedelt im Bayer. Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr als verantwortliche Stelle erfolgen.

Parallel zu den Tests fand eine Informationsveranstaltung über den aktuellen Stand der Digitalfunkeinführung für Landräte, Oberbürgermeister, Vertreter der Kreisverwaltungsbehörden und der Führung der verschiedenen Hilfsorganisationen statt. Bei einem „Exklusivtest“ zeigte Regierungsvizepräsident Dr. Andreas Metschke die Leistungsmöglichkeiten des Funknetzes und führte ein Funkgespräch mit Dr. Mike Mast (DigiNet-Koordinator), der sich im Altmühltal im Netzabschnitt Oberbayern-Nord befand durch.
Für ein optimales Testumfeld sorgte die Feuerwehr Aschaffenburg mit Stadtbrandrat Karl-Georg Kolb und Oberbrandmeister Andreas Schwab. Eine ausgezeichnete Verpflegung des THW Aschaffenburg wurde von allen Teilnehmern gelobt.